Samstag, 30. Januar 2010

Iren und Autofahren

Zwei Welten treffen aufeinander. Und das liegt nicht nur an schlechten Straßen, Schnee und Linksverkehr, nein, das liegt hauptsächlich daran, dass es in Irland zwei unterschiedliche Arten von Fahrerlaubnis gibt. Die sogenannte provisionell licence und die full licence. Erst genannte bekommt man bereits nachdem man erfolgreich einen Theorie Test abgelegt hat. Ab dann darf man mit einem Learnes-„L“ auf der Karre in Begleitung einer Person die bereits eine full licence erworben hat die öffentlichen Feldwege unsicher machen. Theoretisch. Praktisch gab es über die letzten Jahre verteilt dummerweise viel zu wenig Plätze um wirklich eine full licence zu ergattern. Abgesehen davon würde das ja Geld kosten. Daher fahren viele Iren ihr halbes Leben lang (und dann natürlich auch solo) mit der provisionell rum …und wirklich kontrolliert wird das anscheinend auch nicht.

Seis drum, auch die full licence ist für deutsche Maßstäbe ein Witz. 5-7 Fahrstunden und dann ne praktische Prüfung, wer durchfällt kann die Woche drauf halt nochmal versuchen. In diesem Sinne…Hals und Beinbruch auf Irlands Straßen.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Wie bestellt man 2 Guinnes in Irland?

„Two pint of Guinness please“. So einfach. Aber was tun, wenn es rundherum so laut ist, dass einen keiner versteht? Ja, das ist mal wieder eine „Vorsicht-Falle!“-Situation. Die Handhaltung auf der linken Seite hier:


ist in Irland und Großbritannien nämlich mit dem in Deutschland eher gebräuchlichen Stinkefinger gleichzusetzen. Der Hintergrund des ganzen liegt schon recht weit zurück, genauergesagt im Mittelalter. Zu dieser Zeit waren auf den Inseln vor allem die Bogenschützen gefürchtet, die auf lange Distanz problemlos einen Ritter in kompletter Rüstung durchbohren konnten (oder zumindest die Rüstung selbst…der Effekt ist der gleiche). Wurde ein feindlicher Bogenschütze gefangen genommen, hat man ihm einfach Zeige- und Mittelfinger abgeschnitten. Da diese dringend nötig sind um den Pfeil zu halten hatte sich die Schützenkarriere damit für die entsprechende Person erledigt. Jemanden beide finger zu präsentieren bedeutet also einfach: „pass auf was du tust, ich habe meine Finger noch.“

PS: Seine zwei Bier so zu bestellen, wie das Bild auf der rechten Seite zeigt ist übrigens vollkommen legitim.

Dienstag, 26. Januar 2010

Materials Ireland

Bevor es vollends in Vergessenheit gerät (und damit meine ich sowohl das Ereignis selbst, als auch den ganzen Blog hier) möchte ich nochmal über ein Ereignis berichten, dass kurz vor Weihnachten stattgefunden und für mich den bisherigen Höhepunkt meines hiesigen Aufenthalts markiert hat. Die Rede ist von der Konferenz „Materials Ireland“, welche das Tyndall Institute zufälligerweise letztes Jahr ausrichten durfte.


Und da das gerade so gut gepasst hat, durfte ich (zugegebener Maßen als Co-Autor) dort meine bisherigen Ergebnisse auf einem Poster verewigen und obendrein natürlich alle Vorträge anhören, die in den zwei Tagen so dargeboten wurden. Ehrlicherweise muss aber ich sagen, dass der Großteil mich irgendwie nicht interessiert hat, auch wenn durchaus ein paar interessante Dinge dabei waren. Das lag wiederum aber höchstwahrscheinlich am sehr breitgefächerten Spektrum an Vorträgen. Erschreckt hat mich außerdem, wie viele Dinge da tatsächlicherweise präsentiert wurden, wo man in der Uni einfach nur gedacht hat „sonen Scheiß siehst du eh nie wieder“ (an die ESMer…Stick-Slip-Versuch sagt euch ja vielleicht noch was…) Sei es drum, es war meine erste Konferenz und deshalb doch irgendwie alles spannend und gelohnt hat es sich alle mal. (zumal es kostenlos war und das Catering wirklich göttlich).


Außerdem wurde ich überraschenderweise mit zum Konferenzdinner in das 4 Sterne Hotel auf der anderen Seite des Flusses eingeladen, auf Staatskosten versteht sich. War schon ein bisschen seltsam, als Claudia (ne andere deutsche Studentin) und ich da aufgekreuzt sind, in Turnschuhen, das Fahrrad mal eiskalt an die Laterne vorm Hotel angeschlossen haben (Fahrradständer gab es da natürlich nicht…warum wohl?) und dann reingeplatzt sind von wegen: „hier sind wir, wir wollen zum Konferenz-Dinner“.


Jegliche Angst davor in gehobener Atmosphäre peinlich aufzufallen war aber dahin sobald das Dinner selbst in Gang gekommen war. Kurz vor Weihnachten bestand die Dekoration Großteils aus Tischfeuerwerk und Party-Crackern (klingt eher nach Silvester, ist in Großbritannien und Irland aber typisch weihnachtlich), welche spätestens nach der Vorsuppe auch benutzt wurden und somit doch schnell für Party-Stimmung sorgten.

Zum Hauptgang gab es übrigens Seeteufel in Schinken eingerollt, mit einer Käse-Sahnesoße und Kartoffel-Ecken …sehr lecker… und wenn man bedenkt, dass ich mich nur kurz vorher noch mit mince pies (kleine, warme, mit einer weihnachtlichen Fruchtmischung gefüllte Törtchen) vollgehauen habe, auch unglaublich sättigend.

In diesem Sinne, Party-Hut aufsetz und auf die nächste Konferenz freu.


PS: Nur um mir einen weiteren Eintrag zu sparen …das „Fress-Fest“ ging 3 Tage später weiter, als die eigentliche Weihnachtsfeier vom Tyndall und der AMSG anstand. Um euch jetzt aber nicht zu viel Hunger zu bereiten verzichte ich darauf, einzeln aufzuzählen, was ich da alles gegessen habe, es sei nur soviel gesagt…ich habe mich noch nie in meinem Leben so satt gefühlt… sogar das Atmen hat weh getan und die Busfahrt nach Hause war irgendwie kein Spaß …aber wie heist es so schön, lieber den Magen verrenken, als dem Wirt was schenken.

Samstag, 16. Januar 2010

Wetterkapriolen


Von der Überschwemmung Mitte November habe ich ja bereits berichtet. Um die Weihnachtszeit herum hatte dir irische Landbevölkerung nun aber mit einer neuen, weitaus unbekannteren Bedrohung zu kämpfen. Eis und Schnee. Und nachdem bereits kurz nach meiner Ankunft Reisen in jeder Form durch weiträumige überfrierende Nässe auf allen Straßen unterbunden wurde, (Freunde die in Cork am 30. Dezember landen wollten wurden nach Shannon, etwa 200 km nördlich umgeleitet) passierte dann eine Woche später das Ungeheuerliche …5 bis 10 cm Schneefall.

Nun besteht der gängige irische Winterdienst leider aus einem Multicar, auf dessen Ladefläche 2 arme Knechte sitzen und Sand aus einem Sack (der wahrscheinlich zur Flut noch Hauswände abgedichtet hat) streuen. Wirkliches Streusalz wurde nach einer Kaltwetterperiode von etwa 24h bereits als „aufgebraucht“ deklariert. Naja, als durchschnittlicher Mittelgebirgsbewohner (der aus „alten Zeiten“ auch Winter mit 1-2m Schnee gewohnt ist) war mir dieser Fakt erst einmal unerklärlich. John hat mich dann allerdings freundlicherweise darauf hingewiesen, dass es hier seit 30 Jahren keinen Winter gab, der länger als einen Tag gedauert hätte.

Egal wie, das Chaos war natürlich vorprogrammiert. Letzten Montag war nur knapp die halbe Belegschaft auf Arbeit, Busse sind gleich mal gar nicht gefahren und die, die es dann doch versucht haben durchzukommen, haben Stunden auf den Straßen zugebracht (Winterreifen sind hier natürlich auch ein Fremdwort). Noch erschreckender war für mich der Fakt, dass halb Dublin ohne Trinkwasserversorgung war, ganz einfach weil die Wasserleitungen alle eingefroren sind.

Naja, schon am Dienstag, als Eis und Schnee von massiven Regenfällen und Sturm abgelöst wurden, war der Spuck dann aber wieder vorbei. Schade nur, dass der Regen (kombiniert mit dem Schmelzwasser) nun seinerseits wieder für Hochwasser und durch Überflutung unpassierbare Straßen sorgte.

Naja, aber wie haben die „Spitzenpolitiker“ dieser Welt noch vor nicht mal einem Monat in Kopenhagen so gut festgestellt, Klimaschutz ist viel zu teuer und schadet unserer guten Weltwirtschaft. In diesem Sinne, geht euch schon mal Gummistiefel kaufen.

Sonntag, 10. Januar 2010

Happy New Year!


Ein fröhliches Neues Jahr, euch Allen! Ich weis, das kommt mit einiger Verspätung, dummerweise war ich nach meinem Heimat-Urlaub erst einmal für eine Weile auf internetfreies Eis gelegt. Und obwohl es zurzeit sogar hier scheiße kalt ist (seit heute liegt tatsächlicher weise sogar Schnee), meine ich das nicht einmal wörtlich.

Egal wie, ich bin gut im neuen Jahr angekommen und werde die nächste Zeit wieder öfter mal was von der Insel berichten. Bis dahin, lass es euch allen gut gehen und schneit nicht zu sehr ein.

Gruß,

Jens (of wieder in Cork) und Frosty!