Dienstag, 24. November 2009

Land unter …


Der eine oder andere hat es wohl sogar in den deutschen Nachrichten gehört, halb Irland und weite Teile Englands standen letzten Wochenende, und stehen teilweise immer noch, unter Wasser. Auch Cork ist davon nicht unbehelligt geblieben, beziehungsweise gerade das University College Cork, wo ich arbeite, ist doch ganzschön schwer getroffen. Dies manifestiert sich unteranderem darin, dass die gesamte Woche „schulfrei“ für Studenten ist. Mir selbst geht es jedenfalls gut aufgrund der Tatsache, dass meine Wohnung einfach weit genug weg von der Innenstadt und dem River Lee ist.


Dies wiederum ist auch ein Grund warum ich Freitag morgen eigentlich einfach ganz normal auf Arbeit fahren wollte, selbst als mich der Busfahrer mit wedelnden Armen darauf hingewiesen hat, dass Victorias Cross unter Wasser steht und er deshalb eine andere Route in die Innenstadt nimmt hab ich komischerweise an noch nix schlimmeres gedacht als: dann biste aber heute ganzschön spät auf Arbeit.


Und in einer gewissen Weise stimmt das auch, fünfhundert Meter vorm Mercy Hospital, welches sich direkt neben dem Tyndall befindet, war dann nämlich auch Schluss mit „auf Arbeit gehen“. Und somit konnte ich ungewollt einen wunderbaren freien Tag genießen, an dem, ironischer Weise, auch noch das beste Wetter seit drei Wochen geherrscht hat.


Und erst beim folgenden Rundgang durch die Stadt ist mir das Ausmaß der Überschwemmung, die schwerste in Irland seit 80 Jahren, so richtig klar geworden. Cork hätte im Übrigen, im Gegensatz zu anderen Städten wie Tipperary, Bandon, Mallow und Galway, die vollkommen überflutet waren, auch glimpflicher davon kommen können, wenn Freitag Abend nicht zwei negative Effekt gleichzeitig gegriffen hätten. Zum einen gibt es etwa fünfzehn Kilometer vor der Stadt einen Damm, der eigentlich Hochwasserschutz gewähren sollte, dieser musste aber, Aufgrund der großen Füllung über die letzten Wochen, teilweise abgelassen werden um größere Schäden im Hinterland zu vermeiden. Außerdem hat der Lee hier, obwohl das Meer noch paar Kilometer weg ist, bereits einen Gezeiteneinfluss. Die befürchteten weiteren Überschwemmungen am Son- und Dienstag bleiben aber glücklicherweise aufgrund des guten Wetters aus.


Wie schon am Anfang erwähnt wurde auch meine Arbeit betroffen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag stand das Wasser etwa 2 Fuß hoch im Block A und auch wenn es allgemein nicht bestätigt ist befürchte ich, dass die komplette Elektronenmikroskopie tot ist. Ansonsten scheint der Schaden zum Glück relativ gering, das erst Anfang des Monats neu eröffneter Laborgebäude Block C (Kostenpunkt 49,8 Mio €) mit seinen Reinräumen hat überraschenderweise nahezu Garnichts abbekommen. Auch die meisten anderen Labors und Büros sind unbeschädigt. Allerdings gibt es zurzeit keine Wasserversorgung, weshalb quasi alle Forschungsaktivitäten eingestellt sind.


Aber die Iren wären wahrscheinlich nicht Iren, wenn sich nicht auch aus dieser Situation das Beste machen würden.


Achja, selbiges gilt natürlich auch für mich. Meinen Nachmittag habe ich nämlich in John’s Appartement mit E-Gitarre (ich kann jetzt „Knocking on Heavens Door“ spielen … ganz langsam zumindest) und Amiga zocken verbracht.


2 Kommentare:

  1. Die Bilder erinnern mich spontan an die Überschwemmung in Hereford in den Neunzigern, wo die Wye über die Ufer trat und alles verschlang. Die Meadows waren dann die Islands und die Kajakfahrende Bevölkerung hielt sich an die roten Ampeln.. ^^

    Lustig ist es für die meisten Betroffenen wohl nicht, aber interessantes Schauspiel, sowas in jedem Fall.

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  2. Hochwassererfahren wie Du bist, Sachsen 2002, ist das ja nichts Neues mehr für Dich, muv

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