Mittwoch, 25. November 2009

Ein Tag am Meer


Lange Zeit habe ich es versucht, Leute zu motivieren mit in die kleine Hafenstadt Cobh zu fahren, letztes Wochenende war es endlich soweit. Die kleine 6500 Seelenstadt liegt etwa eine halbe Zugstunde westwärts von Cork und ist vor allem dafür „berühmt“ der letzte Ankerpunkt der Titanic gewesen zu sein, bevor Selbige von ihrem wohl bekannten Schicksal eingeholt wurde. Daran erinnert auch heute noch ein Denkmal. Das Denkmal auf dem folgenden Foto ist allerdings einer anderen Schiffskatastrophe gewidmet. Ebenfalls von Cobh aus gestartet wurde das Passagierschiff Lusitania am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot versenkt. Es war das zweitgrößte Schiff, das im ersten Weltkrieg gesunken ist, 1189 Menschen starben.


Aber wieder zur Gegenwart und etwas erfreulicheren Themen. In Cobh angekommen haben wir natürlich sofort alle wichtigen Attraktionen ausgespäht und, soweit möglich, auch genutzt.


Am meisten hat mich dabei die sehr südländische Vegetation erstaunt. Nicht nur, dass Palmen die Uferpromenaden zieren, nein auch wilde Bambuswälder wurden im Laufe des Tages noch durchquert.


Den kleinen Weg, der hier zu sehen ist habe ich Übrigens ausgekundschaftet, nachdem wir eine ganze Weile am „Strand“ entlang gewandert sind und keine Lust auf den Rückweg über die glitschigen Felsen hatten. „Guck mal, hier ist ne Treppe“. Naja, sowas ähnliches war es ja dann auch, und hat uns direkt in den Vorgarten eines freundlichen Iren geführt.


Nach diesem nervlich aufreibenden Stress, schließlich hätten wir ja auch in einem geheimen russischen Atombunker oder dem Versteck von O.B.L. herauskommen können, sind wir dann doch dazu über gegangen uns die Standard-Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Zu nennen wären da an allererster Stelle die Cobh-Kathedral. Ein riesiges Bauwerk (vergleicht man spontan mal die Einwohnerzahl) aus dem 19ten Jahrhundert, im neugotischen Stil gehalten und architektonisch wirklich eine Meisterleistung.


Auch noch erwähnenswert: Mein Mittagessen. Bestehend aus Oxford-Lunch, was quasi Rosinen-und-Trockenfrüchte-Kuchen war, und dem nicht zu schlagenden „Mars Refuel“-Drink. Laut Packungsaufschrift das optimale Getränk für jeden Leistungssportler. Wissenschaftliche Studien haben wohl gezeigt, dass Sportler mit „Mars Refuel“ 50% länger durchhalten, als mit für Sportler optimierten Fitness-Drinks. Von mir durchgeführte Feldversuche haben allerdings gezeigt, dass „Mars Refuel“ nichts anderes ist als stink normaler Kakao mit einer Extra-Ladung Zucker.


Dienstag, 24. November 2009

Land unter …


Der eine oder andere hat es wohl sogar in den deutschen Nachrichten gehört, halb Irland und weite Teile Englands standen letzten Wochenende, und stehen teilweise immer noch, unter Wasser. Auch Cork ist davon nicht unbehelligt geblieben, beziehungsweise gerade das University College Cork, wo ich arbeite, ist doch ganzschön schwer getroffen. Dies manifestiert sich unteranderem darin, dass die gesamte Woche „schulfrei“ für Studenten ist. Mir selbst geht es jedenfalls gut aufgrund der Tatsache, dass meine Wohnung einfach weit genug weg von der Innenstadt und dem River Lee ist.


Dies wiederum ist auch ein Grund warum ich Freitag morgen eigentlich einfach ganz normal auf Arbeit fahren wollte, selbst als mich der Busfahrer mit wedelnden Armen darauf hingewiesen hat, dass Victorias Cross unter Wasser steht und er deshalb eine andere Route in die Innenstadt nimmt hab ich komischerweise an noch nix schlimmeres gedacht als: dann biste aber heute ganzschön spät auf Arbeit.


Und in einer gewissen Weise stimmt das auch, fünfhundert Meter vorm Mercy Hospital, welches sich direkt neben dem Tyndall befindet, war dann nämlich auch Schluss mit „auf Arbeit gehen“. Und somit konnte ich ungewollt einen wunderbaren freien Tag genießen, an dem, ironischer Weise, auch noch das beste Wetter seit drei Wochen geherrscht hat.


Und erst beim folgenden Rundgang durch die Stadt ist mir das Ausmaß der Überschwemmung, die schwerste in Irland seit 80 Jahren, so richtig klar geworden. Cork hätte im Übrigen, im Gegensatz zu anderen Städten wie Tipperary, Bandon, Mallow und Galway, die vollkommen überflutet waren, auch glimpflicher davon kommen können, wenn Freitag Abend nicht zwei negative Effekt gleichzeitig gegriffen hätten. Zum einen gibt es etwa fünfzehn Kilometer vor der Stadt einen Damm, der eigentlich Hochwasserschutz gewähren sollte, dieser musste aber, Aufgrund der großen Füllung über die letzten Wochen, teilweise abgelassen werden um größere Schäden im Hinterland zu vermeiden. Außerdem hat der Lee hier, obwohl das Meer noch paar Kilometer weg ist, bereits einen Gezeiteneinfluss. Die befürchteten weiteren Überschwemmungen am Son- und Dienstag bleiben aber glücklicherweise aufgrund des guten Wetters aus.


Wie schon am Anfang erwähnt wurde auch meine Arbeit betroffen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag stand das Wasser etwa 2 Fuß hoch im Block A und auch wenn es allgemein nicht bestätigt ist befürchte ich, dass die komplette Elektronenmikroskopie tot ist. Ansonsten scheint der Schaden zum Glück relativ gering, das erst Anfang des Monats neu eröffneter Laborgebäude Block C (Kostenpunkt 49,8 Mio €) mit seinen Reinräumen hat überraschenderweise nahezu Garnichts abbekommen. Auch die meisten anderen Labors und Büros sind unbeschädigt. Allerdings gibt es zurzeit keine Wasserversorgung, weshalb quasi alle Forschungsaktivitäten eingestellt sind.


Aber die Iren wären wahrscheinlich nicht Iren, wenn sich nicht auch aus dieser Situation das Beste machen würden.


Achja, selbiges gilt natürlich auch für mich. Meinen Nachmittag habe ich nämlich in John’s Appartement mit E-Gitarre (ich kann jetzt „Knocking on Heavens Door“ spielen … ganz langsam zumindest) und Amiga zocken verbracht.


Sonntag, 22. November 2009

Straßenmusik

Nicht nur in Pubs findet man hier unglaublich viele Musiker, nein auch Straßenmusiker sind in Cork, wie wahrscheinlich in jeder anderen Großstadt auch, fast überall zu finden. Das Spektrum reicht dabei von einem Ende der musikalischen Vorstellungspalette zum anderen. Von singenden Solo Künstlern, von denen sich jeder DSDS Kandidat mal ne Scheibe abschneiden könnte, über Mundharmonika-Spieler, Saxophonisten und die allseits beliebten Gitarristen bis hin zu halben, oder auch mal vollständigen Bands, die spontan die Oliver-Plunkett-Street zum Probenraum erklärt haben.

Dabei kommen die Musikanten teilweise sogar sehr gut ausgerüstet mit Verstärker und allem drum und dran daher. Anderen scheint ihr Auftritt eher spontan in den Kopf gekommen zu sein und zumindest bei dem einen älteren Mann von letzter Woche hab ich mich gefragt ob der nicht einfach nur im Suff Irische Lieder vor sich her gegrölt hat.

Alles in allem hat sich hier, für mein Empfinden, schon so eine kleine Subkultur rundherum um die Straßenmusik entwickelt, und immer wenn man denkt, man hat eigentlich alles gesehen kommt einer mit ner neuen Idee, so wie dieser Kerl mit der Geige und der Fußgitarre:

PS: Sorry für die falsche Ausrichtung des Ganzen, da hab ich beim Aufnehmen natürlich mal wieder nicht dran gedacht.

PPS: Post aufgrund diverser Kritik mit tiefergreifenden Informationen erweitert. ;)